Meditation

Der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht!
Siehe, ich verkündige euch große Freude.

(Lukas 2,10)


Liebe Geschwister,
zur Adventsfeier der Herrnhuter Diakonie waren wir mit unserem Bläserchor
nach Hohburg eingeladen. Auf jedem Platz stand eine Klappkarte mit dem
Motiv auf der Titelseite, Hans Memlings Engel mit Olivenzweig. Umgeben ist
der Engel von strahlendem, goldenem Licht, von himmlischem Lichtglanz.
Memling, der das Bild vor über fünfhundert Jahren in dunkler Zeit gemalt hat,
möchte damit ausdrücken, was uns Menschen bis heute wichtig ist: Das Licht
Gottes strahlt in unsere Welt – auch und ganz besonders dann, wenn diese uns
grau in grau erscheint. Das immer größer werdende Licht der Adventszeit
entfaltet seine Symbolkraft gerade in der dunklen Jahreszeit. Der entfernte Stern,
der den Weg weist oder die erste kleine Kerze am Adventskranz sind Vorboten
der großen Weihnachtssonne. Gott ist uns in Jesus nahe gekommen, so dass wir
nicht allein sind. Daran will uns der Engel erinnern und uns eine wunderbare
Nachricht bringen - der Olivenzweig, den er uns entgegen reicht, ist seine
Botschaft: Die voll entfalteten grünen Blätter und die reifen Früchte sind
Zeichen der Fülle des Lebens, die uns Gott verspricht. Und das kostbare Öl der
Früchte weist auf den Gesalbten hin. Der Zweig ist ein starkes Bild für unsere
Hoffnung auf die Erfüllung unserer Sehnsucht nach Frieden, Versöhnung und
gelingende Gemeinschaft. Noch gibt es Krieg und Gewalt in unserer Welt, aber
mit Jesus Christus hat Gottes Friedenszeit schon begonnen.
Und wir Menschen können selbst viel dafür tun, dass die grünende Hoffnung auf
Frieden und Versöhnung in Erfüllung geht. Wir können füreinander Engel sein,
Boten des Lichts und des Friedens, und gemeinsam an Gottes Friedensreich
bauen. Gott hat uns einander zur Seite gestellt, damit wir brüderlich und
schwesterlich Belastendes miteinander tragen und einander die Angst vor der
Zukunft nehmen.
Wie in der Sintflutgeschichte die Taube mit einem Olivenzweig zu Noah
zurückkehrt, als Zeichen der Hoffnung auf fruchtbares Land, so bekommen wir
von diesem Engel den Hoffnungszweig, der uns Gottes Friedenszukunft
verspricht, ein Land, das auf uns wartet und wo wir in Frieden und in aller Fülle
und Vollkommenheit leben können.
Ich wünsche Euch allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und ein
behütetes neues Jahr!
Herzliche Grüße, Euer Raimund Hertzsch